Verpfuschte Haartransplantation und rechtliche Hilfe – Artikel und Informationen

Hatten Sie bereits eine Haartransplantation durchführen lassen und sind mit dem Resultate nicht zufrieden und die Haarverpflanzung ist ggf. uansehnlich und total misslungen/verpfuscht? Sie sind nicht alleine!

Wie auf Hairforlife berichtet steigt zwar in Deutschland die Zahl der Anbieter stark an, aber damit auch drastisch die Anzahl von Reklamationen und misslungenen Haartransplantationen! Der Grund sind nicht auf Haartransplantation spezialisierte Ärzte, wenig Know-How und Erfahrung.

Die gute Nachricht: In vielen Fällen kann mit einer Korrektur bei einem renommierten und erfahrenen Haarchirurg das Resultat korrigiert und deutlich verbessert werden, wie siehe auch den Erfahrungsbericht von Marco. Es gibt also Hilfe!

Rechtshilfe bei misslungener Haartransplantation – Artikel und Info PDF

Auch auf rechtlichem Weg gibt es Möglichkeiten und Hilfe, sich zumindest Schadenersatz erkämpfen zu können, was einem ggf. ermöglicht die Kosten einer Reparatur (Repair-Haartransplantation) finanziell stemmen zu können. Denn das Dilemma, dass häufig Korrektur-Haar-Op`s bei erfahrenen Spezialisten deutlich teurer sind wie die oftmal vorangehende Billig-Op.

Zum Thema Rechtshilfe lesen Sie die PDF Rechtshilfe verpfuschte Haartransplantation und die folgenden Artikel und Infos:

Artikel: Hilfe bei verpfuschter Haartransplantation - Autor: Christoph Bomke Fachanwalt für Medizinrecht 

Jeder der sich mit dem Thema Haartransplantation näher beschäftigt oder selber plant, eine Korrektur-Operation vorzunehmen, wird sich die Frage stellen, was er bei „misslungener Haartransplantation“ machen kann.

Die Zahl der Korrektur-Operationen, die medizinrechtlich Revisions-Operationen genannt werden, steigt und ist unter der Anzahl der stattfindenden Operationen bei den nachbehandelnden Haarchirurgen, die sich mit den Korrektur-Operationen befassen, wohl ständig zunehmend.

Eine wesentliche Ursache wird hierfür in der mittlerweile quasi Überschwemmung des Marktes mit sog. Billiganbietern im In- und Ausland für Haartransplantationen zu sehen sein, die mehr oder weniger zwangsläufig mit einer Absenkung der an sich geschuldeten Qualität der erbrachten Leistung einhergeht.

Aber auch ihrem Namen nach große Kliniken in Deutschland, die gerade nicht nur Haartransplantationen, sondern das ganze Spektrum an Schönheitsoperationen an diversen Standorten in Deutschland anbieten und alles andere als sog. Billiganbieter sind, lassen nicht selten die erforderliche Qualität vermissen. Auch hier wird – wie der Laie das nennt – nicht selten „gepfuscht“.

Die Hauptprobleme, die zu Korrektur-Operationen führen, sind in erster Linie Breitnarbenbildung u./oder zu lange Narbe im Spendergebiet, d.h. Nacken oder seitlichen Hinterkopf, schlechte Narbenbildung überhaupt bei Anwendung der FUT -Methode, aber auch sog. Lochfrass bei fehlerhaft angewendeter FUE-Methode durch zu dichte Entnahme. Ein anderes typisches Problem sind zudem schlecht „designte“, unnatürlich wirkender Haarlinien, ungenügende Dichte und in diesem Zusammenhang generell falsche Therapieplanung o. die Anwendung veralteter Behandlungsmethoden.

Für Korrektur-Operationen, sei es für notwendige Narbenkorrektur(en) am Hinterkopf mittels FUE-Behandlung u./o. Tricho (Trichophytic-Closure-Technik auch Durchwachstechnik genannt) oder das „Umstylen“ der vorderen Haarlinie für ein natürlich-ästhetisches Ergebnis bzw. die Verdichtung durch den die Korrektur-OP durchführenden Haarchirurgen kommen allein an Behandlungskosten regelmäßig Beträge von deutlich über 10.000,-- EUR zusammen.

Das erforderliche Geld für Korrekturoperationen, die in aller Regel wesentlich teurer sind als der „entstellende“ Ersteingriff, haben viele Patienten nicht.

Der Leidensdruck der unter den misslungenen Eingriffen leidenden Patienten wird dadurch aber nicht geringer, sondern nimmt je länger mit dem sie nach ihrem Empfinden entstellenden Ergebnis leben müssen, in der Regel nur zu und führt nicht selten auch zu psychischen Belastungen, die sich privat wie beruflich bemerkbar machen durch fehlendes Selbstbewusstsein, Verlust des Selbstwertgefühls, vermisster Erfolg u.a.

Ganz automatisch verbindet sich damit die Frage, wann der von einer fehlgeschlagenen/misslungenen Haartransplantation betroffene Patient Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegen die Klinik aus dem misslungenen Ersteingriff oder auch gegen den Operateur hat.

Unter Schadensersatz versteht man hier nicht nur das zu zahlende Schmerzensgeld, sondern vor allem auch die Kosten von notwendigen Revisions-Operationen (die regelmäßig schon signifikant über 10.000,00 EUR liegen) sowie auch die Kosten des misslungenen oder gar entstellenden Ersteingriffs.

In aller Regel liegen sich die gestellten Ansprüche deswegen zwischen Beträgen von 25.000,00 – 35.000,00 EUR. In einzelnen Fällen aber auch deutlich darüber.

Ansprüche wird man einerseits dann stellen können, wenn ein Behandlungsfehler vorliegt. Dies ist dann der Fall, wenn – einfach formuliert – die Behandlung nicht fachgerecht, d.h. medizinrechtlich bei Unterschreitung des ärztlichen Standards durchgeführt wurde.

Bei den bereits oben beschriebenen „Resultaten“ wie Breitnarbenbildung und/oder zu lange Narbe im Spendergebiet (Nacken), „Lochfrass“ bei fehlerhaft angewendeter FUE-Methode durch zu dichte Entnahme oder durch unsachgemäße Handhabung des mittels Mikromotor unterstützen Hohlbohrers oder eben schlecht „designte“, unnatürlich wirkende Haarlinie bzw. ungenügende Dichte im Einzelfalls, Anwendung veralteter Methoden (Mini-Mikro-Graft-Methode, Punch) wird man dies aus Sicht des gut ausgebildeten und vorsichtigen Haarchirugen – dessen Verhalten ist sozusagen die Messlatte - in aller Regel wohl unschwer bejahen können.

Denn Maßstab ist hier: wie hätte sich der gut ausgebildete und vorsichtige Haarchirurg verhalten und wären diese „Resultate“ gerade vermieden worden bei fachgerechter Anwendung!?

Ein anderer wesentlicher Gesichtspunkt, wann und warum Ansprüche gestellt werden können, ist zudem die Verletzung von Aufklärungspflichtverletzungen durch die Klinik.

Zunächst wird man hier immer wieder feststellen können, dass die Aufklärung durch einen dort selbständig oder angestellten (Marketing-)Mitarbeiter der Klinik erfolgt, der selber kein Arzt oder gar Haarchirurg ist.

Vieles erinnert hier an das landläufige Bild eines Verkäufers, der seine Ware – hier die Operation – an den Mann bringen will.

Nach st. Rechtsprechung ist eine solche Aufklärung in Deutschland unwirksam, da die Aufklärung nur durch einen Arzt, der entsprechend qualifiziert ist, erfolgen darf.

Der fragliche Eingriff stellt in diesem Fall schon deshalb grundsätzlich eine rechtswidrige Körperverletzung dar.

Darüber hinaus entspricht es ebenfalls ständiger Rechtsprechung, dass bei Schönheitsoperationen – und hierzu zählen Haartransplantationen – umfassend und schonungslos über alle Risiken, die sich mit dem Eingriff verbinden, aufzuklären ist.

Sehr häufig, wenn nicht regelmäßig, werden hier Risiken, die sich später verwirklichen wie etwa Breitnarbenbildung (so denn nur kein Behandlungsfehler vorliegt im Einzelfall) verschwiegen, so dass der Patient quasi „ein böses Erwachen“ erst im Nachhinein erlebt wegen eines verwirklichten Behandlungsrisikos, über das er hätte im Vorhinein aufgeklärt werden müssen und bei dessen Kenntnis er eben diese Behandlungsmethode abgelehnt hätte.

Auch kommt es immer wieder vor, dass nur eine Behandlungsmethode sozusagen verkauft werden soll, während bestehende Behandlungsalternativen nicht oder unvollständig dargestellt werden.

Bei Bestehen von medizinisch gleichermaßen indizierten Behandlungsmethoden wie es im Bereich von Haartransplantationen mit FUT vs. FUE der Fall ist und die durchaus wesentlich unterschiedliche Risiken oder Erfolgschancen aufweisen hinsichtlich der Entnahmemethode und somit echte Wahlmöglichkeiten für den Patienten darstellen, ist seitens der Klinik über die jeweilige Behandlungsalternative mit ihren Chancen und Risiken in zutreffender und vollständiger Form aufzuklären.

Es ist aber Sache des Patienten, nach entsprechender Aufklärung die Entscheidung zu treffen, auf welchem Wege die Behandlung erfolgen soll und auf welches Risiko er sich einlassen will.

Geschieht beispielsweise auch dies nicht, liegt auch insoweit eine Aufklärungspflichtverletzung vor, die grundsätzlich dazu führt, dass die Einwilligung des Patienten in den Eingriff als unwirksam, d.h. ungültig angesehen wird mit der Folge, dass eine rechtswidrige Körperverletzung vorliegt.

Auch hierbei ist dann im Übrigen vollkommen gleichgültig, ob der Behandler eine dem Namen nach sog. große Klinik mit diversen Standorten im Bundesgebiet oder es sich um eine kleine UG handelt, die sich einfliegender Ärzte als Operateure bedient und zu Dumping-Preisen Haartransplantationen anbietet.

Zusammenfassend ist damit zu resümieren, dass niemand sich mit einer misslungenen Haartransplantation abzufinden braucht.

Mehr als hilfreich sind hier privatgutachterliche Einschätzungen von renommierten Haarchirurgen zur Frage von Behandlungsfehlern beim misslungenen Ersteingriff, auch wenn hier vieles häufig selbst für den Laien offensichtlich ist. Zudem ist hier eine eingehende Sichtung der Behandlungsunterlagen – die der Anwalt anfordert – bei Verfolgung der Ansprüche und der Prüfung des Falles unerlässlich.

Bei rechtsschutzversicherten Patienten werden die Kosten der außergerichtlichen und gerichtlichen Rechtsverfolgung grundsätzlich problemlos von der Rechtsschutzversicherung gezahlt.

Info: Dieser Artikel gilt insbesondere für deutsches Recht. Patienten welche in Deutschland behandelt wurden oder im Ausland und sich eine Vertretung der Klinik in Deutschland befindet.

Autor:

Christoph Bomke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht

Artikel: Der Patientenfall F. aus Süddeutschland: Etwa 15.000 Euro Schadensersatz für eine mehr als 10 Jahre zurückliegende, verpfuschte Eigenhaartransplantation - Autor: Christoph Bomke Fachanwalt Medizinrecht in Kooperation mit Hairforlife Andreas Krämer

Der aus Süddeutschland stammende Herr F. (22 Jahre alt in 2005) verfügte seinerzeit weitestgehend über volles Haar. Jedoch störten ihn seine leichten Geheimratsecken und so stellte er die Überlegung an, diese mittels Haartransplantation beheben zu lassen – inspiriert durch eine TV-Reportage über Haarverpflanzungen.

Zur Beratung bezüglich seiner Möglichkeiten stellte er sich in Süddeutschland bei einem sogenannten Facharzt für plastische Chirurgie vor. Wie so oft fälschlicherweise angenommen, ging auch Herr F. davon aus, dass ein Facharzt für plastische Chirurgie auch die Qualifizierung/Ausbildung für Haartransplantationen besitzt. Dass Haarchirurgie und Haartransplantationen allerdings nicht zum Ausbildungskatalog eines Facharztes für plastische Chirurgie gehören, war ihm damals im Jahre 2005 und auch bis 2015 nicht bewusst.

Nach mehrfach ungenügender Aufklärung (Herr F. erfuhr erst 2013 davon) führte besagter Facharzt für plastische Chirurgie im Juni 2005 in Süddeutschland eine Haartransplantation mittels Streifenmethode (FUT) und Mini-/Micrograft-Verpflanzung bei dem Patienten F. durch. Das Ergebnis dieser Haartransplantation ist katastrophal ausgefallen. Vorne im Empfangsbereich zeigten sich viel zu dicke Grafts und eine insgesamt unzureichende „Dichte“, was in ästhetischer Hinsicht absolut unnatürlich wirkte.

Am Hinterkopf behielt Herr F. eine mehr als Finger-breite und sichelförmige Narbe zurück.

Der Patient fühlte sich verunstaltet. Sein Leben war durch dieses desaströse Resultat der verpfuschten Haartransplantation sehr belastet, was deutlich negative Veränderungen in seinem Leben nach sich zog. So litt der Patient beispielsweise sehr unter der ständigen Sorge, man könne ihn auf die optisch sichtbaren Merkmale der verpfuschten Haartransplantation ansprechen, die sich am Vorderkopf zeigten. Ebenso war ihm die durchschimmernde, extrem breite und sichelförmige Narbe extrem peinlich, die unweigerlich den Blick Dritter auf sich zog, was Herrn F. sehr verunsicherte. In seiner Verzweiflung legte er sich Haarersatz zu (Contact Skin), um den entstellten Kopf vor den Augen Dritter verbergen zu können. Mit diesem Haarersatz lebte er bis zum Jahre 2013, bis er den Mut fand, diesen Zustand zu ändern.

Auf der Webseite Hairforlife.info las er von der HLC-Clinic/Team Dr. Özgür in Ankara/Türkei und erfuhr auf diesem Wege, dass die Hairline Clinic auf Repair-Work bei verpfuschten Haartransplantationen spezialisiert ist.

Als Herr F. zur ersten Beratung in der Hairline Clinic eintraf, war selbst der Klinikleiter Dr. Özgür erschrocken ob des Ergebnisses der vorangegangenen Haartransplantation und äußerte, er habe niemals zuvor ein derart schlechtes Resultat einer Haarverpflanzung gesehen. In der Hairline Clinic Ankara wurde in Folge die erste Korrekturbehandlung bei Herrn F. durchgeführt: Die Mini-/Micrografts wurden entfernt und es wurden ca. 3.000 Grafts per FUE-Technik transplantiert.

Das Resultat löste enorme Begeisterung bei dem Patienten aus! Im Vergleich zu dem katastrophalen Haarstatus, der aus der 1. Haarverpflanzung resultierte, konnte er sich nun über eine phänomenale Verbesserung freuen und damit auf ein völlig neues Lebensgefühl.

Mittels einer weiteren Behandlung wird in der HLC Clinic bei Herrn F. eine Narbenkorrektur durchgeführt. Dies geschieht zeitversetzt, da Korrektur-Operationen in der Regel in mehreren Schritten/Operationen erfolgen, um Patienten, das Spendermaterial, so wie die zu behandelnden Flächen zu schonen und somit ganzheitlich das bestmögliche Resultat erzielen zu können. Ebenso werden an der Haarlinie noch die letzten unnatürlichen Grafts entfernt. Diese Behandlungen stehen jedoch noch aus.

Nachdem Herr F. durch Dr. Özgür über die verschiedenen Mängel und die fehlende Aufklärung bezüglich der Haartransplantation (Durchführung 2005) informiert worden war, erfuhr er später durch Hairforlife von der Möglichkeit, einen Fachanwalt für Medizinrecht in Anspruch nehmen zu können. Herr Rechtsanwalt Christoph Bomke (Medizinrechtskanzlei BBP Rechtsanwälte mit Sitz in Berlin) hat sich u.a. auf solche Schadensfälle spezialisiert und konnte bereits vielen geschädigten Hairforlife-Kunden helfen, damit diese Schadensersatz und Schmerzensgeld erhalten konnten. Auch Herr F. nahm diese Hilfe in Anspruch und betraute den Fachanwalt für Medizinrecht Christoph Bomke mit seinem Patientenfall. Im Jahre 2015 folgte eine Klage gegen besagten plastischen Chirurgen aus Süddeutschland, dem massive handwerkliche Fehler, so wie vor allem Aufklärungsdefizite vorgeworfen wurden – u.a.:

* Fehlende Aufklärung darüber, dass bereits im Jahre 2005 die FUE-Technik als moderne, schonende und quasi narbenfreie Methode bekannt war, durch welche sich absolut natürliche Resultate erzielen lassen

* Fehlende Aufklärung zu der Tatsache, dass dieser Arzt weder die Ausbildung für haarchirurgische Eingriffe, geschweige denn, ausreichende Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt

* Fehlende Aufklärung darüber, dass mittels Anwendung des gegen Haarausfall verordneten Arzneimittels Finasterid das Fortschreiten des Haarausfalls gestoppt werden kann – mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 %

Das Oberlandesgericht Bamberg gab der Klage des Herrn F. gegen besagten Arzt im Jahre 2017 statt, Herr F. erhielt ca. 15.000 € Schadensersatz auf dem Vergleichswege. Das Oberlandesgericht stellte hierbei fest, dass die Ansprüche des Herrn F. in keinem Falle verjährt seien. Allerdings wurde seitens des Gerichts wegen des Zeitablaufs von fast 10 Jahren lediglich ein Mitverschulden zugrunde gelegt, wodurch der Anspruch des Klägers auf Schmerzensgeld und Schadensersatz auf lediglich ca. 15.000 € zu verkürzen sei. Begründung: Der Kläger hätte sich bereits viel eher einer Repair-Behandlung unterziehen können, dann wären der psychische Schaden und alle anderen negativen Auswirkungen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in dem nun vorliegenden Ausmaße entstanden.

Hätte Herr F. bereits in den ersten Jahren nach der Haartransplantation seine Ansprüche auf dem Klagewege gegen den Behandler gestellt, hätte er auf eine erheblich höhere Entschädigung hoffen können, die durchaus im Bereich des Doppelten der nun erhaltenen Geldsumme hätte liegen können.

Dieser Patientenfall ist äußerst interessant – und steht stellvertretend für eine Vielzahl von ähnlich gelagerten Fällen, wie sie immer wieder an Hairforlife herangetragen werden. Einmal mehr wird deutlich, wie wichtig es ist, keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen und sich ausschließlich für einen Behandler zu entscheiden, der über entsprechendes Renommee verfügt, auf Haartransplantationen spezialisiert ist und demzufolge auch einen großen Erfahrungsschatz belegen kann. Dabei sollte man auch eine etwas weitere Anreise oder Flugreise nicht scheuen und die Wahl eines ausgewiesenen Spezialisten für Haarverpflanzungen nicht am Klinikstandort festmachen!

Bei der Wahl eines Behandlers mit Standort in Deutschland handelt es sich sehr oft um einen Facharzt der plastischen Chirurgie. Insbesondere, wenn das klinikseitige Behandlungsangebot auch Schönheitskorrekturen umfasst, besitzen die dort behandelnden Chirurgen in der Regel keine explizite haarchirurgische Ausbildung. Andere Qualifikationen kommen in keinem Falle einer haarchirurgischen Ausbildung gleich! Auch fehlt es in der Regel an Erfahrungen, die namhafte und ausgewiesene Experten für Haarchirurgie belegen können.

Bei Hairforlife erhalten Interessenten für Haartransplantationen seit mehr als 14 Jahren umfassende Informationen, so wie Antworten auf alle Fragen, die bei der Wahl eines renommierten Behandlers entscheidend sind. Bei allen Hairforlife-Kooperationspartnern handelt es sich ausnahmslos um Spezialkliniken für haarchirurgische Eingriffe.

Ebenso verdeutlicht dieser Patientenfall, dass auch nach ~ 10 Jahren post OP noch die Möglichkeit besteht, Ansprüche gegen den Behandler geltend zu machen. Niemand sollte den Mut verlieren und sich mit seiner belasteten Lebenssituation abfinden! Es ist vielen Menschen nicht bekannt, aber der behandelnde Arzt haftet auch, wenn er den Patienten nicht darüber aufklärt, dass das Fortschreiten des Haarausfalls mittels des Arzneimittels Finasterid mit hoher Wahrscheinlichkeit gestoppt werden kann. Im Falle der diesbezüglich fehlenden Aufklärung hat der Arzt für das Fortschreiten des Haarausfalls regelmäßig einzustehen. Bleiben Sie nicht untätig, sondern geben Sie sich die Chance, wieder zu einem normalen, erfüllten Leben zurückfinden zu können.

Artikel: Misslungene FUT Streifen-Haartransplantation: Der Patientenfall Marcel S., unglaublich, jedoch leider kein Einzelfall - Autor: Hairforlife Andreas Krämer in Kooperation mit Christoph Bomke Fachanwalt für Medizinrecht

Info: Dieser Artikel gilt für deutsches Recht. Patienten welche in Deutschland behandelt wurden oder im Ausland und sich eine Vertretung der Klinik in Deutschland befindet.

Hairforlife stellt Ihnen einen Patientenfall vor aus/ab dem Jahre 2009, welcher veranschaulicht, welche gravierenden Fehler Behandlern in Ausübung der gesetzlich strikt vorgegebenen Pflichten unterlaufen – und welche Auswirkungen dies für Patienten haben kann. Beleuchtet werden auch insbesondere die Möglichkeiten, die sich daraus für geschädigte Patienten ergeben.

Dabei geht ein besonderer Dank an den Rechtsanwalt Herrn Christoph Bomke (Fachanwalt für Medizinrecht), der diesen Bericht durch sein freundliches Mitwirken unterstützt hat.

1.

Der heute 25-jährige Patient Marcel S. aus NRW begab sich im Jahre 2009 im Alter von 19 Jahren nach Dortmund, um sich einer Haartransplantation bei einem deutschen Anbieter zu unterziehen. Dabei handelt es sich um einen Klinikkonzern für Schönheitskorrekturen, welcher in Deutschland zahlreiche Standorte/Kliniken unterhält. Mittels der FUT-Methode (Follicular Unit Transplantation – Hautstreifenentnahme) sollten 900 Grafts (follikuläre Haareinheiten) transplantiert werden, wobei die Behandlungskosten mit 4.000 € beziffert wurden.

Aufklärung und Therapieplanung erfolgten, wie sehr häufig praktiziert, durch einen Marketing-Mitarbeiter der mit dem Eingriff betrauten Klinik. Bereits dieser Umstand führte von Anfang an zur Ungültigkeit einer Einwilligung des Patienten in die FUT-Behandlung und damit zur Rechtswidrigkeit des Eingriffs, da Aufklärungspflichten nach ständiger Rechtsprechung grundsätzlich nicht übertragbar, sondern vom ausführenden Arzt durchzuführen sind. Den seitens der Klinik vorgehaltenen Aufklärungsbogen hatte der Patient zudem an seinem Wohnort unterschrieben, nachdem ihm dieses Formular zuvor ausgehändigt/übermittelt worden war.

Zu keiner Zeit hat ein rechtzeitiges, persönliches und vertrauensvolles Gespräch zwischen Arzt und Patient zur Aufklärung über den Eingriff und insbesondere zu Alternativmethoden (FUE) stattgefunden. Dies jedoch gibt die ständige Rechtsprechung vor! Die notwendige Aufklärung vor der Operation war damit unter gleich mehreren Gesichtspunkten als „überhaupt nicht stattgefunden“ anzusehen.

Sofern sich eine Klinik auf eine Aufklärung am OP-Tage durch die Operateurin/den Operateur beruft: Eine am OP-Tag stattfindende Aufklärung gilt grundsätzlich als verspätet! Somit war die Einwilligung in die FUT-Operation des Patienten Marcel S. auch aus diesem Grunde unwirksam laut Rechtsprechung. Ungeachtet dieser Versäumnisse, die schon für sich die Haftung begründen, war die bei kosmetischen Eingriffen notwendige schonungslose Aufklärung nach geltender Rechtslage nicht gegeben.

An die Aufklärung eines Patienten vor kosmetischen Operationen stellt die ständige höchstrichterliche und obergerichtliche Rechtsprechung sehr strenge Anforderungen! Die Patientenaufklärung hat umfassend und schonungslos zu erfolgen (BGH, VersR 1991, 227; OLG Düsseldorf, OLGR 1993, 320, 321; OLG Oldenburg, OLGR 2002, 50 ff. OLG Hamm, Urteil vom 29. März 2006 – 3 U 263/05 in juris).

Die sinngemäße Aussage dieser „ständigen Rechtsprechung“:

Je weniger ein ärztlicher Eingriff medizinisch geboten ist, desto wichtiger ist die Qualität der Patientenaufklärung! Wird einem Patienten eine Behandlung/ein Eingriff/eine Operation angeraten oder hegt er selber den Wunsch nach einer medizinisch nicht notwendigen Behandlung, so muss die Patientenaufklärung nicht nur unbedingt ausführlich und umfassend sein, sondern es muss ebenso ausführlich über die Erfolgsaussichten der Behandlung und etwaige schädliche Folgen informiert werden.

Dies wurde dem seinerzeit 19-jährigen Patienten Marcel S. jedoch nicht zuteil, diese schonungslose Aufklärung hat zu keiner Zeit stattgefunden. Damit war der vorliegende operative Eingriff bei dem Patienten unter jedem dieser Gesichtspunkte von vorne herein nicht gedeckt von seiner Unterschrift/Einwilligung und die Behandlung stellte somit eine rechtswidrige Körperverletzung dar. Schon alleine aus diesem Grunde war die volle Haftung der Klinik gegeben.

Der Patient Marcel S. hat nach der Behandlung in der Dortmunder Klinik eine erhebliche Einbuße der Lebensqualität erlitten. Eine längsseitig große Narbe reicht am Hinterkopf von Ohr zu Ohr.

Misslungene Haartransplantation Marcel-k-narbe-nach-fut-streifenhaartransplantation

Daraus können (insbesondere bei entsprechender Veranlagung) unterschiedliche Beeinträchtigungen resultieren. Temporär oder auch dauerhaft können sich Spannungsgefühle einstellen, die vielfach als schmerzhaft beschrieben werden. Darüber hinaus können selbst bei gutem Heilungsverlauf unangenehme Hautirritationen zurück bleiben. Abgesehen von den sich unter Umständen einstellenden körperlichen Beschwerden leiden Patienten sehr häufig und insbesondere unter den optischen Einbußen: Bei Kurzhaarfrisuren ist die Narbe sichtbar! Damit ist eine freie Frisurenwahl nicht mehr gegeben, was deutlich auf Kosten der Unbeschwertheit geht, die sich Patienten nach einer Haartransplantation erhoffen. Mit dieser Einbuße an Lebensqualität musste auch der Patient Marcel S. seit der Operation leben. Unter Narbenbildung leiden ehemalige Patienten, die fehlerhaft mittels FUT-Verfahren (Hautstreifen-Entnahme) behandelt wurden, bekanntlich am allermeisten.

2.

Neben den vorgenannten Aufklärungspflicht-Verletzungen lagen verschiedene (typische) Behandlungsfehler vor:

– Die bei nicht fachgerechter FUT-Behandlung häufig anzutreffende Breitnarbenbildung wäre in jedem Fall vermeidbar gewesen, erst recht in der bei diesem Patientenfall vorhandenen Breite

– Von einer vorliegenden linearen/strichförmigen Narbe konnte bei diesem Patienten zunächst keine Rede sein

– Der Patient hatte von dem operativen Eingriff am Hinterkopf, quasi von Ohr zu Ohr reichend, eine etwa 15 cm lange Narbe zurückbehalten. Die nicht lineare (geschweige denn, strichförmige) Narbe war darüber hinaus auch noch unterschiedlich breit, was ebenfalls sehr häufig festzustellen ist. In den äußeren Bereichen zeigte sich die Narbe deutlich breiter, als in mittiger Narbenregion, was auf fehlende Sorgfalt/fehlerhafte Schnittführung, so wie auf eine (Behandlungs-) fehlerhafte Hautvernähung durch die Operateurin zurückzuführen war

Weiterhin lag als „typischer“ Behandlungsfehler bei diesem Patienten vor:

Bereits seit 2005 ist die seit unterdessen mehr als 10 Jahre in der Haarchirurgie verfügbare Trichophytic-Closure-Technik (Durchwachs-Technik) in den Leitlinien der Fachgesellschaften bei Streifenentnahme aufgeführt und empfohlen. Diese moderne Verschluss-Technik fand bei Marcel S. jedoch keine Anwendung, was eine (und in seinem Falle erst recht) Breitnarbenbildung zur Folge hatte. Die Trichophytic-Closure-Technik beschreibt eine moderne Methode, um Wundränder nach einer Hautstreifenentnahme miteinander zu vernähen. Diese Trichophytic-Verschlusstechnik erlaubt ein Durchwachsen von Haaren im Narbenbereich. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, Narben optimal anzulegen, so dass sie später Dritten gegenüber weitgehend verborgen bleiben aufgrund der hindurch gewachsenen Haare.

Nach ständiger Rechtsprechung genügt/entspricht aber eine bestimmte Behandlungsmethode nicht mehr dem einzuhaltenden Qualitätsstandard, wenn neue Methoden zur Verfügung stehen, die (und/oder)

– weniger Risiken für den Patienten bedeuten

– für den Patienten weniger belastend sind

– bessere Heilungschancen versprechen

– und in der medizinischen Wissenschaft im Wesentlichen unumstritten sind

(Ständige Rechtsprechung, siehe nur BGH, Urteil vom 26.11. 1991 – VI ZR 389/90 –)

Ausweislich der Behandlungsunterlagen des Patienten Marcel S. wurde die Trichophytic-Closure-Technik bei Durchführung seiner FUT-Behandlung nicht angewendet. Demzufolge wurde dem laut Rechtsprechung einzuhaltenden Qualitätsstandard (wie oben beschrieben) bei diesem Patienten nicht entsprochen.

Abgesehen davon ist die Behandlungsplanung bei dem seinerzeit 19-jährigen Patienten aufdrängend fehlerhaft erfolgt. Die Haarlinie wurde viel zu tief angesetzt bei der vorliegend transplantierte Graft-Anzahl. Die erreichte „Dichte“ (soweit hiervon überhaupt gesprochen werden kann) stellt sich insbesondere aus diesem Grunde als absolut inakzeptabel dar. Zudem wurden die Löcher für die Implantate, wie auch für die Abstände, offensichtlich viel zu groß gesetzt.

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In dem Zusammenhang sei angemerkt:

Bereits im Jahre 2005 stand das sogenannte „Dense Packing“ zur Verfügung. Diese Methode beschreibt eine Art und Weise der Transplantatverpflanzung, mittels welcher eine außerordentlich hohe Dichte im Empfangsbereich erzielt werden kann. Durch die Anwendung dieser Behandlungsmethode kann ein Haarstatus erreicht werden, der Dritten bei Anblick mit bloßem Auge nicht offenbart, dass eine Haartransplantation stattgefunden hat (siehe auch den Artikel bezüglich Dense Packing bei Haartransplantation).

Insgesamt ist hier ein für den Patienten unästhetisches und absolut unbefriedigendes Ergebnis erzielt worden, daraufhin kontaktierte der Patient Marcel S. im Jahre 2015 Hairforlife/Andreas Krämer und ließ sich erstmalig fachkundig beraten zu Nachbehandlern, Möglichkeiten und Aussichten. Es kommt nicht selten vor, dass Patienten ihr volles Budget für eine Haartransplantation aufwenden und im Nachhinein keine Mittel für eine kostspielige Repair-Operation zur Verfügung haben, so erging es auch diesem Patienten. Aufgrund weitreichender guter Kontakte im Fachbereich Haartransplantationen konnte Andreas Krämer dem Patienten Marcel S. einen auf diesen Bereich spezialisierten Fachanwalt für Medizinrecht (Christoph Bomke) empfehlen, welcher den Patienten über seine rechtliche Situation und die entsprechenden Möglichkeiten informierte und sich des Falles annahm. So machte Marcel S. Ende 2015 durch seinen anwaltlichen Beistand Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegen die behandelnde Klinik geltend.

Bereits nach relativ kurzer Zeit konnte eine Einigung erzielt werden, die Haftpflichtversicherung der Klinik leistete eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 15.000 Euro zur Abgeltung der Ansprüche. Der Patient erhielt somit nicht nur sein Behandlungshonorar zurück, sondern insbesondere auch Schmerzensgeld und das erforderliche Budget für einen Korrektur-Eingriff bei einem renommierten Haarchirurgen.

Patienten können das gesamte Honorar für kosmetische Behandlungen/Operationen insbesondere dann zurück verlangen, wenn die Kosten der aufgrund von Behandlungs- oder Aufklärungsfehlern erforderlichen Nachbehandlung das Honorar für den Ersteingriff übersteigen, wie es auch bei diesem Patienten der Fall war (OLG Zweibrücken, Urteil vom 28.02.2012, 5 U 8/08). Darüber hinaus kommt dies zum Tragen, wenn eine wegen fehlender oder mangelhafter Aufklärung rechtswidrige Schönheitsoperation nicht den angestrebten Erfolg oder sogar eine Verschlechterung erbringt (OLG Düsseldorf, Urteil vom 20.03.2003, 8 U 18/02; OLG Stuttgart, Urteil vom 17.04.2001, 14 U 74/00; OLG Zweibrücken, Urteil vom 28.02.2012, 5 U 8/08; OLG Nürnberg Urteil vom 25.07.2008, 5 U 124/08). Auch das traf auf diesen Patientenfall zu.

Die Ansprüche von Marcel S. waren nicht verjährt, auch wenn die Behandlung in seinem Falle bereits vor 6 Jahren stattgefunden hat. Der Fristbeginn der Verjährung hinsichtlich einer Arzthaftung setzt die Kenntnis der die Ansprüche begründenden Umstände voraus. Diese erlangt ein Patient aber praktisch erst durch die Konsultation eines entsprechenden Fachspezialisten, in der Regel den „Nachbehandler“. Im Falle von Marcel S. entsprechend erst im Jahre 2015 nach Kontaktaufnahme und Beratung durch Hairforlife.

Marcel S. zeigte sich nach der Rundum-Betreuung und Beratung durch Hairforlife überglücklich. Vielen Dank dafür – das nehme ich gerne als Ansporn für künftige Problemfälle, bei welchen hoffentlich ebenso eine akzeptable Lösung im Sinne des Patienten gefunden werden kann.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Andreas Krämer